Lievito Madre täglich auffrischen und weitere Hinweise zur Pflege
Lievito Madre in einer Schale auffrischen

Lievito Madre täglich auffrischen und weitere Hinweise zur Pflege

In dieser Folge der Artikelserie „Lievito Madre” erkläre ich die Auffrischungsprozedur, die ich meinem Lievito Madre täglich mindestens einmal gönne. Was Lievito Madre (abgekürzt LM) ist, wie man ihn herstellt, wie man gutes Brot ohne Kneten damit bäckt und weitere Themen werden in anderen Beiträgen der Artikelserie behandelt.

Die Artikelserie

Unterschied zwischen Auffrischen und Füttern

Der Lievito Madre ist ein Biotop aus Hefen und Bakterien, das regelmäßig mit frischem Mehl und Wasser versorgt werden muss. Weil die Menge des LM ins Unbegrenzte wachsen würde, wenn man immer nur zugibt, wird nur ein Teil des aktuellen LM hergenommen (den Rest müssen wir entsorgen oder Brot damit backen) um eine neue Generation zu mischen. Für diesen Versorgungsvorgang verwende ich die Begriffe Füttern und Auffrischen in definiert unterschiedlicher Weise: Gibt man beim Füttern dem LM nur etwas Mehl und Wasser, wird er beim Auffrischen mit dem Mehrfachen seines Eigengewichts verrührt.

Im Prinzip sind Auffrischen und Füttern gleich: Man erzeugt aus dem alten LM einen neuen LM. Das Auffrischen ist aber aggressiver, indem eine kleine Menge Lievito Madre mit einer vergleichsweise großen Menge Mehl und Wasser versorgt wird: Er wird dabei beim Anmischen so stark verdünnt, dass er sich in der anschliessenden Metabolisierungsphase gleichsam neu erzeugt.

Beispiel Füttern: Neuer LM = 100 g alter LM + 20 g Mehl + 20 g Wasser
Beispiel Auffrischen: Neuer LM = 20 g alter LM + 40 g Mehl + 40 g Wasser

In welchen Situationen füttern?

Ich füttere den Lievito Madre immer, wenn er schwach oder ungesund ist. In diesem Fall würde er bei einer aggressiven Auffrischung zu sehr verdünnt und die wenigen gesunden Mikroorganismen, die im Biotop verblieben sind, wären mit dem frischen Mehl überversorgt.

Der LM ist in drei Situationen schwach

1. In den ersten Tagen seiner Herstellen, wenn wir ihn gleichsam aus dem Nichts erschaffen (siehe Beitrag hier)
2. Wenn er nach der Trockung oder längerer Kühlung reaktiviert wird (siehe hier)
3. Wenn wir ihn so sehr vernachlässigt haben, dass das Biotop stark degradiert ist. Dies ist oft erkennbar an einem stichigen Essig- oder Alkoholgeruch.

Nach wenigen Tagen der Fütterung ist der LM dann meist so stark, dass wir wieder zur Auffrischung übergehen können. Wie ich genau füttere, ist in den entsprechenden Beiträgen zur Herstellung und Reaktivierung des LM beschrieben. In diesem Beitrag geht es um das routinemäßige, tägliche Auffrischen.

In welchen Situationen auffrischen?

Wenn der Lievito Madre stark und gesund ist, frische ich ihn mindestens einmal täglich mit dem mehrfachen seines Eigenwichts auf. Ich wende dabei stets die Formel 20:40:40 an wie oben beschrieben.

Beispiel für einen gesunden Lievito Madre

Lievito Madre auf dem Höhepunkt der Aktivität
Starker Lievito Madre, der gerade den Höhepunkt der Aktivität überschritten hat. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt zum Auffrischen
Lievito Madre auf dem Höhepunkt der Aktivität
An der schönen Blasenbildung und dem feinen Geruch von Honig und Yoghurt erkennt man einen gesunden LM

Der ideale Zeitpunkt zum Füttern / Auffrischen

Der ideale Zeitpunkt sowohl für das Füttern als auch das Auffrischen ist das kurze Zeitfenster, an dem der LM seine größte Volumenausdehnung hat. Die Volumenzunahme ist eine Folge der CO2-Produktion der Hefen. Sind die Stärke und Eiweiß im Mehl verbraucht, beginnen die Hefen abzusterben. Mit ihrem Ableben sinkt die CO2-Produktion, die bald vollständig zum Erliegen kommt. Gleichzeitig wird der LM  infolge der Aktivität der Bakterien immer saurer. Das macht sich an einem markanten Essigstich bemerkbar.

Wenn der LM schwach ist, ist die Volumenasudehnung geringer und er benötigt länger, um das Maximum der Volumenausdehnung zu erreichen. Ein starker LM kann sein Volumen unter idealen Bedingungen in 3,4 Stunden fast verdreifachen.


Die Auffrischungsprozedur

Diese Prozedur solltest Du einmal pro Tag durchführen. Achte darauf, dass an deinen Arbeitsgeräten und dem Behälter keine Spülmittelreste anhaften.

  1. Vom aktuellen Lievito Madre entnimmst Du 20 g. Den Rest mußt Du entsorgen oder Brot damit backen. Die von mir verwendeten Mengen sind absichtlich so berechnet, dass genau die Menge des nicht benötigten LM exakt der Menge entspricht, die ich für mein Brotrezept benötige.
  2. Den entnommenen LM mischt DU mit 40 g Wasser und 40 g Mehl. Das Wasser darf kein Chlor enthalten. Du muß die Mischung nur grob anühren.  Achte darauf, dass der frisch angerührte LM nicht zu flüssig ist: Die Konsistenz sollte eher pastös den flüssig sein. Je flüssiger der LM, desto saurer wird er.

    Früher habe ich geschrieben, dass das Wasser Raumtemperatur haben sollte (ca. 23°C). Das war falsch, weil es nur fürr meinen Fall gilt (denn ich frische täglich 2 x auf): Die Temperatur des Wassers, die Du zum Auffrischen verwendest, entscheidet darüber, a) wie lange der LM benötigt, um seine maximale Ausdehnung  zu erreichen und b) welche Mikroorganismen damit am Besten zurecht kommen. Manche verwenden 8°C kaltes Wasser, um zu verhindern, dass der LM zu schnell gärt. Die Temperatur des Wassers ist evolutionstheoretisch gesprochen ein Selektionsfaktor.

    Lievito Madre aus Mehl (405) und Rosinensud ansetzen
    20 g des alten Lievito Madre mit40 g Mehl und 40 ml Wasser anrühren
  3. Gefäß mit eingestochener Folie bedecken und an einen Ort mit konstanter Wärme idealerweise zwischen 25°C–28°C stellen.
    Lievito Madre auffrischen - grob zusammenrühren reicht
    Lievito Madre auffrischen – grob zusammenrühren reicht

Schale oder transparenter Messbecher?

Völlig egal. ich verwende meist eine Schale, die ich auch nur einmal pro Woche wechsle (wenn die eingetrockneten Teigbrocken zu sehr abblättern). Mehl und Wasser gebe ich meist nach Gefühl dazu.  Die Folie zum Abdecken verwende ich auch wochenlang. Einen transparenten Pyrex-Messbecher verwende ich meist nur dann, wenn ich die Blasenbildung genau beobachten möchte.

Lievito Madre in einem transparenten Messbecher
Lievito Madre in einem transparenten Messbecher

Für das Brotbacken sinnvolle Hilfsmittel*

Du benötigst für das Brotbacken und bei der Arbeit mit Lievito Madre bestimmte Hilfsmittel. Am wichtigsten ist eine große Teigschüssel mit Deckel und ein feuerfester Topf. Beide Geräte sind in ihrem Gebrauch nicht auf das Brotbacken begrenzt, sondern auch anderweitig einsetzbar. Gleiches gilt für den Messbecher. Der Gärkorb ist nicht essentiell, der Teig wird dadurch aber gut belüftet.

 


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