Die anonymen Yuzu-Experten ‘van Wikipedien’ (bitte nicht lachen)

Die anonymen Yuzu-Experten ‘van Wikipedien’ (bitte nicht lachen)
Selbstgemachte Yuzu-Konfitüre

Der deutschsprachige Eintrag auf Wikipedia zu Yuzu ist schlecht. Seit gestern weiß ich, warum. Kurz zu mir: Ich mache Yuzu-Konfitüre selber, backe mit Yuzu, koche mit Yuzu und experimentiere mit Yuzu. Seit knapp 50 Jahren. Natürlich nicht 24 x 365, aber Sie verstehen, was ich meine: Yuzu ist für mich eine sehr selbstverständliche Zutat, von Kindheit an. Die Versorgung ist auch in Deutschland meist sichergestellt: Entweder schickt mir meine Mutter frische Yuzu aus Japan, Arbeitskollegen bringen welche von der Geschäftsreise mit, oder ich packe ein paar in den Koffer, wenn ich aus meinem Geburtsland zurückreise. Neben der frischen Yuzu benütze ich auch Präparate, gekaufte wie z.B. Yuzu-Kosho, Yuzu-Tea oder selbstgemachte, wie z.B. Yuzu-Ponzu oder die Yuzu-Konfitüre im Titelbild, von der Sie in Gedanken gerne probieren dürfen. Der Löffel ist unbenutzt.

Anmerkung: Dies ist der erste Teil meiner echten, tiefen Liebesgeschichte mit denenen van Wikipedien. Es gibt eine Fortsetzung mit einigen Aktualisierungen. Dieser Artikel hier ist in einigen marginalen Details nicht mehr aktuell, zeigt aber auf, wie eine Diskussion mit einer anonymen Wir-Gruppe von Wikipedia-Kontrolleuren verläuft. Was mich besonders freut, ist, dass die Yuzu-Topshots von Wikipedia (ironisch gemeint) nun einige Anregungen von mir übernommen haben. Unter anderem die Rubrik “Weblinks”. Allerdings firmiert dort nicht mybanto.de (das ginge zu weit) sondern ein Artikel im Zeitmagazin mit dem grenzdebilen Titel “Hui, Yuzu”. Luft wohl unter “infantile Trotzreaktion” wie man es von beleidigten Apparaten und Behörden gut ennt.

Meine Selbstüberschätzung und ihre Heilung durch die anonymen** Yuzu-Experten van Wikipedien

Im Kühlschrank warten fast immer frische Yuzu auf ihren Einsatz. Ihr Geruch bedeutet Heimat für mich. Und als naiver Mensch habe ich bis vor kurzem nicht nur geglaubt, dass ich etwas darüber weiß, sondern war sogar so vorlaut, zwei bescheidene Grundlagenartikel darüber zu verfassen (hier und hier). In einem Backbuch (siehe rechts) habe ich obendrein Rezepte für Yuzu-Plätzchen veröffentlicht. Mein Selbstbewußtsein war so aufgebläht, dass ich der irrigen Annahme verfiel, den deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag zu Yuzu mit ein paar Ergänzungen und Korrekturen veredeln zu können. Auch ein Link auf meine Artikel auf mybanto.de sollten unter der Rubrik “Weblinks” aufgeführt werden. Das ist nicht unüblich, und ich war und bin um qualifizierte Weblinks auf Seiten mit weiterführendem Inhalt selber dankbar. Wikipedia ist ja voll von  schamlosen Marketingartikeln – dagegen wären meine Beiträge ein Musterbeispiel an Uneigennützigkeit: keine Yuzu-Werbung, keine Yuzu-Bestellartikel, keine Werbebanner. Nichts. Nur der Link auf mybanto.de. Also alles ok, dachte ich. Bis mich die drei anonymen Yuzu-Experten van Wikipedien eines Besseren belehrten. Seitdem bin ich geheilt. Von Wikipedia. Hier die knallharten Details.

Ich, mein Eintrag…

Japaner verwenden hauptsächlich die Schale der frischen Frucht. Sowie man in Bayern Schweinebraten vornehmlich mit Kartoffelknödel (und nicht mit Semmelknödel) serviert, oder die Norddeutschen (zumindest die Niedersachsen, die ich kenne) Grünkohl mit Pinkel essen, die  Ebbe der Flut folgt – es ist einfach so. Die frische Schale ist die Essenz der Yuzu. Sie bewahrt das Aroma, mit dem ‘wir’ Japaner z.B. die hier abgebildete Brühe zu einer Delikatesse machen. Und so schrieb ich das naiv in den deutschsprachigen Wikipedia-“Eintrag” hinein, der, eher Baustelle als Informationsquelle, offensichtlich schon länger etwas informationsarm vor sich hindümpelt. Ganz anders übrigens als der englische Eintrag zu Yuzu, der umfangreich, brilliant, gut recherchiert, sachkundig…ich schweife ab***.

…und drei aufgeschreckte anonyme Yuzu-Experten van Wikipedien

Es dauerte nicht lange, und die drei anonymen Yuzu-Experten van Wikipedien machten meinen bescheidenen Eintrag rückgängig. ‘Affiliate-Blogs brauchen wir nicht’, so teilte einer der drei anonymen Yuzu-Experten seinen Freunden das unanfechtbar-sachliche Ergebnis seiner Auseinandersetzung mit meinem Beitrag mit. Ein ungutes Gefühl stellte sich bei mir ein. Wer ist dieses ‘wir’, das der anonyme Mensch zitiert. Ist dieses ‘wir’ eine dieser kleinen selbstherrlichen Cliquen, die ein Thema auf Wikipedia besetzen und mit Zähnen und Klauen gegen alle verteidigen, die nicht ‘wir’ sind? Es gibt viele Geschichten darüber im Internet. Sie sind in Wikipedia selbst dokumentiert: Man muß nur auf den Menüpunkt ‘Diskussion’ eines Artikels klicken, e voilà – der ganze Rattenschwanz einer fruchtlosen Diskussionshistorie liegt offen einsehbar vor Ihnen.

Ein zweiter Yuzu-Experte sekundierte und bestärkte das ‘wir’-Gefühl des Ersten. Zwar hatten und haben die Yuzu-Artikel  auf mybanto.de keine Werbung (sieht man von der Seitenleiste ab, in der ich auf mein Plätzchenbuch hinweise) – aber was richtet man gegen eine organisierte Truppe von Sachbearbeitern aus, die eine Neulingin nicht mögen? Mindestens drei dieser ‘wir‘ waren auf der anderen Seite, soviel war klar, vielleicht vier. ‘Warum die wohl zu dritt oder viert nicht mehr Inhalt in den Jahren zusammengebracht haben’, wunderte ich mich bei mir selbst. ‘Statt andere abzutörnen, könnten die doch Content generieren’. Aber so denkt ein anonymer Yuzu-Experte van Wikipedien wohl nicht.

Da könnte ja jeder ‘Affiliate-Blog’ daherkommen

In diesem Sinne ließen sich die drei anonymen Yuzu-Experten van Wikipedien aus, verbunden mit einer Warnung von einem von Ihnen (oder einem Vierten?), ihre Rückgängigmachung nicht meinerseits rückgängig zu machen, ansonsten es Konsequenzen, Sanktionen, Strafe, Sperrungen usf. hageln würde. Leicht übertrieben formuliert von mir, gewiss, aber sinngemäß korrekt.

Ich hielt mich nicht daran, sondern machte die Rückgängigmachung rückgängig. Und die Konsequenzen, Sanktionen, Strafe, Sperrungen kamen so unfehlbar, wie die Zahlungsaufforderungen der Gebühreneinzugszentrale. Mein Zugang zu Wikipedia wurde gesperrt. Mein Passwort ungültig wie der Reisepass von Edward Snowden.

‘Vandalismus!’ lautet der Schuldspruch. Ich akzeptierte und fing an, Fragen über Wikipedia zu stellen

‘Sperrung wegen Vandalismus’ lautete das Urteil. Auch ein Hinweis fehlte nicht, wie und bei wem ich die Entsperrung zu beantragen habe, mit welcher Begründung etc. ‘Bei Formalien sind sie echt gut’ mußte ich immerhin anerkennen, beließ es aber dabei. Ich schrieb dem Entsperrbefugten eine freundliche Email und nahm danach, heiter und geläutert, ein paar Yuzu-Schnitten zu mir (das Rezept finden Sie hier), nicht ohne in Gedanken denen van Wikipedien alles Gute und weiterhin ein tolles ‘wir’-Gefühl zu wünschen.

‘Vielleicht geschieht ja einmal ein Wunder und ein Sachkundiger übernimmt das Yuzu-Regime’ sinnierte ich beim Eintunken eines Schnitten in meinen Darjeeling (Fortnum & Mason) – ‘bis dahin wird der deutsche Yuzu-Eintrag weiterdümpeln, dürr, nichtssagend, ohne Weblinks’. Aber die Welt geht nicht unter, weniger wichtig als ein Reissack in China. Ich blieb also cool, was meine kurze Episode mit den anonymen Yuzu-Experten van Wikipedien betraf. 8-|.

Meine Episode ist banal. Nicht so dieser Vorgang

Keine Toleranz habe ich hingegen bei dem, was dem schottischen Arzt Malcolm Kendrick auf/mit Wikipedia widerfahren ist. Lesen Sie am besten selbst. Nur soviel: Wenige machen die Korruption der Pharmaindustrie (Stichwort: Cholesterin-Lüge) so deutlich wie er. Sein Blog hat viele Leser, die Diskussionsbeiträge zu seinen Artikeln gehen oft in die Hunderte. Seine Löschung bei Wikipedia ist Teil eines Feldzugs gegen die Feinde des Cholesterin-ist-böse-Dogmas.

Das Problem: Wikipedia ist by design intransparent. Wikipedia ist deswegen als Waffe einsetzbar und wird als Waffe im Informationskrieg eingesetzt. Der Apparat Wikipedia schlägt gesichtslos zu. Malcolm Kendrick nennt die Anonymität der Betreiber seiner Sperrung als wesentliches Merkmal der Methode, ihn zum Schweigen zu bringen. Malcolm und ich sind aber nicht allein mit unserer Einschätzung: Es gab sogar eine Online-Petition gegen die Geheimnistuerei derer van Wikipedien.

Was hat das mit meiner Episode hier zu tun?

Meine Episode mit denen van Wikipedien ist eine lustig-fröhliche Sache. Sie geschieht täglich hundertfach. Nobelpreisträger wurden von geheimen ‘wir’-Experten gemaßregelt. Unbekannte Sachbearbeiter weisen fachliche Koryphäen in die Schranken. Mein Fall ist trivialer. Er ist mit dem Fall von Malcolm Kendrick nicht vergleichbar: nicht inhaltlich, nicht politisch, nicht der Schwere nach. Ich habe die Weisheit nicht mit dem Löffel gefressen und keine Yuzu-Artikel in Nature veröffentlicht.

Eine Gemeinsamkeit gibt es aber. Ich stelle sie als Fragen über Wikipedia: Wer steckt dahinter? Wer ernennt diese Aufpasser? Wer kontrolliert diese Aufpasser? Warum die Anonymität? Warum so uneinheitlich? In dem Eintrag zum Thema ‘Verschwörungstheorien’, (ein politischeres Thema fiel mir leider nicht ein) gibt es eine Rubrik “Weblinks”, in dem Yuzu-Eintrag hingegen nicht. Warum dort erlaubt, hier nicht? Warum sind bei einem Eintrag Links auf Medien, die werbefinanziert sind, ok, in meinem Fall aber nicht? Wer entscheidet das? Eine weitere Frage speziel zum Yuzu-Eintrag: Wie kann es sein, dass bei einem so dürren Eintrag soviele Hobbypolizisten auf den Plan treten, sobald ein Fremder einen harmlosen Satz dazusteuert – aber der gesamte Eintrag zum Thema selbst von eher bescheidener Qualität und Umfang ist? Woher das Mißverhältnis von Menschen, die etwas inhaltlich beizusteuern haben und solchen, die als Aufpasser hyperventilieren?

Ich komme zu einem klaren Fazit:

 

Ich habe viel über das ‘System’ Wikipedia gelernt. Die meisten Beitragenden und ‘Aufpasser’ sind wohl – so meine Annnahme – Idealisten und ehrbare Menschen. Auch die van Wikipedien, Abteilung Yuzu, schließe ich hier ausdrücklich ein. Der grundsätzliche Zweifel betrifft die mangelnde Transparenz und Anonymität. Für sachbezogenen Informationsbedarf ist Wikipedia in den meisten Fällen sicher in Ordnung. Die Qualität der Einträge schwankt aber sehr von Sprache zu Sprache. Der Vorgang um Malcolm Kendrick zeigt mir: Bei ‘politischen’ Themen ist denen van Wikipedien nicht zu trauen.

 

Lesen Sie hier den Teil 2 meiner romantischen Geschichte mit den Yuzu-Genies von Wikipedia.

 


** Anonym: Die van Wikipedien kennen mich, weil ich bewusst im Klarnamen auftrete. Ihre Identität ist verborgen hinter so witzigen Namen wie ‘[Schotterebene]’. Transparenz ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr, so wohl das Motto derer van Wikipedien.
*** Mein Vorschlag an die van Wikipedien: Übersetzen Sie doch den englischen Eintrag zu Yuzu ins Deutsche.
**** Ein weiteres Kabinettsstückchen derer van Wikipedien: Der Satz zu Yuzu-Kosho. Yuzu-Kosho ist ein Präparat, das ursprünglich aus Kyushu stammt, aber inzwischen weiter verbreitet und auch im Westen bis zu einem bestimmten Grad bekannt ist. “Wir” Japaner verwenden ihn durchaus – aber nicht in dem Maße, wie die Wikipedia-Baustelle der Wikipedia-Artikel suggeriert. Dort steht, dass man Yuzu “heute” als Yuzukosho (Link führt auf einen Beitrag auf mybanto, in erklärt wird, was Yuzu-Kosho ist) verwendet. ‘Das stimmt doch nicht und muß korrigiert werden’,  dachte ich. Doch auch hier kannten die drei anonymen Yuzu-Experten van Wikipedien keine Gnade. Dem sei nur dann so, wenn sie, die wahren Hüter des deutschen Yuzu-tums, einen Beleg dafür hätten. Und weg war mein Satz. Ich habe einen der drei anonymen Yuzu-Experten van Wikipedien gefragt, welchen Beleg es denn für den aktuellen Eintrag gibt, dass man “heute” Yuzu als “Yuzukosho” verwendet. Die Antwort steht noch aus. Wenn sie kommt, teile ich sie hier mit.