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Orecchiette al Ragu di Cinghiale

Ragu di Cinghiale: Wie man Wildschweinragu richtig macht

Wildschweinragu gehört zu den wenigen Gerichten, die man selbst in der gastronomisch überschätzen Toskana und Umbrien zuverlässig in guter Qualität serviert bekommt. Man muß aber auch zu Hause nicht darauf verzichten, denn gottlob ist es nicht wirklich schwierig, ein gutes Ragu di Cinghiale selber zuzubereiten. Wie ich das mache, darum geht es in diesem Beitrag.

Ohne Gefühle verletzen zu wollen: Ich weiß, nicht wenige sind der Überzeugung, dass Umbrien und vor allem die Toskana der Inbegriff gastronomischer Spitzenerzeugnisse sind. Tatsächlich ist das Image wohl nicht zuletzt der „totaaal lecker”-Armee zu verdanken, die sich zuhause allenfalls Maggi-Fix gönnt und dann beim absolut banalsten Italo-Gericht euphorisch wird. Gewiß, es gibt Perlen der Gastronomie, sicher, man kann in jeder Gegend in Italien hervorragend speisen – nur sind die Tosakana und Umbrien gatronomisch überbewertet und für die gebotene Qualität nicht selten überteuert und qualitativ verglichen mit em Rest Italiens unterdurchschnittlich (Ligurien und das Friaul sind aus gastronomischer Sicht ebenfalls keine Sehnsuchtsziele). Ich spreche bewußt von der Gastronomie: Denn gutes Ausgangsmaterial (materie prime) produzieren ausnahmslos alle italienischen Regionen. Flächendeckend gute Gastronomie findet man insbesondere im Piemont, in Sizilien und Apulien, wobei man natürlich auch dort reinfallen kann.

Nichts besonderes tun, nur Fehler vermeiden

Man muß für ein Wildschwein-Ragu wirklich nichts Spezielles tun, sondern nur zwei Kardinalfehler vermeiden:

  1. Die Beize darf nicht für das Garen verwendet werden; und
  2. das Fleisch darf beim Anbraten nicht im eigenen Saft schmoren, sondern muß im Fett kurz aber scharf angebraten werden (wie Gulasch).

Wissenwertes: Cinghiale ≠ Chingialetto plus Wildchwein in Italien ≠ wild

Für dieses Ragu verwendet man, wie es der Name sagt, Cinghiale, also Wildschwein und nicht Cinghialetto (Frischling). Frischling hat noch nicht den für erwachsene Schweine typischen, penetranten Wildgeschmack und darf nicht gebeizt werden. In Deutschland darf ein Jäger (unter Beachtung bestimmter Regeln) sein frei geschossenes Wildschwein verkaufen. Nicht so in Italien: Alle Chinghiale-Produkte, ob frisch oder Salami, sind aus kontrollierter Aufzucht. Jäger dürfen das Schwein nur selber verzehren oder an Freunde weitergeben. Mehr noch als bei uns haben dort die Hysteriker der Hygiene das Land eisern im Griff. Wer wirklich „wildes” Wildschwein aus Italien will, der muß einen Jäger persönlich kennen.


Vorsicht bei italienischen Foodblogs

Kaum ein Beitrag auf mybanto kommt ohne Seitenhieb auf die deutsche Foodbloggerszene aus. Die „Megalecker”-Experten sind mit ihrer Ahnungslosigkeit wirklich allgegenwärtig (der letzte Unsinn, den ich gelesen habe, ist, dass man bei Blätterteig Süßrahmbutter verwenden muß). Französische und italienische Seiten sind zar auch nicht pauschal unsinn-frei aber das Niveau ist meist höher. Für das Rezept in diesem Artikel möchte ich dich aber klar vor der italienischen Bloggerszene warnen: So viel Unsinn wie zu Ragu di Cinghiale ist mir selten untergekommen: Mal verwendet einer die alte Beize, um das Ragu zu kochen, mal mischt einer das Gemüse mit dem Ragu so trocken an, dass es Einem schon vom Zuschauen der Hals einschnürt.

Warum man die ausgediente Beize wegkippt, habe ich in diesem Beitrag beschrieben.


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Rezept für Ragu di Cinghiale

Für 4–5 Personen

I. Zutaten

Für die Marinade

  • Ca. 0,65 l trockener Rotwein (San Giovese, Chianti, Barolo, Refosco)
  • 1 Karotte
  • 1 Stück Stangensellerie
  • 1 weiße Zwiebel
  • 3 Nelken + 10 Wacholderbeeren + 2,3 Lorbeerblätter

Für das Ragu

  • Olivenöl
  • 100 g sehr fein gehackte Zwiebeln
  • 30 g sehr fein gehackten Stangensellerie
  • 30 g sehr fein gehackte Karotten
  • 3 Nelken + 5 Pfefferkörner + 10 Wacholderbeeren + 2,3 Lorbeerblätter + 1 Zweig Rosmarin und/oder Thymian
  • 600 ml passierte Tomaten
  • ca. 0,4 l Rotwein (s.o.)

II. Zubereitung

Der Vorlauf zu diesem Gericht beträgt mit mindestens 12-stündiger Marinade und mindestens 6-stündiger Garzeit mindestens 18 Stunden.

Marinieren (Vortag)

  1. Wild waschen und in eine ausreichend große Schüssel geben.
    800 g Wildschwein bereit zum Marinieren
    800 g Wildschwein bereit zum Marinieren
  2. Zwiebel, Karotte, Zwiebel grob teilen und mit Gewürzen zum Wild geben.
  3. Mit Rotwein vollständig bedecken und mit Folie abgedeckt über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen.
    Wildschwein in Rotwein vollständig bedecken
    Wildschwein in Rotwein baden…
    Wildschwein mit Marinade mit Folie bedecken und im Kühlschrank ziehen lassen
    … und mit Folie bedeckt im Kühlschrank ziehen lassen

Garen

  1. Gemüse sehr fein hacken.
    Feingehackter Stangensellerie, Karotten und Zwiebeln
    Stangensellerie, Karotten und Zwiebeln müssen sehr fein gehackt werden
  2. Beize restlos abgießen. Für die Gründe, siehe hier.
    Wildschwein-Beizflüssigkeit besser vollständig wegschütten
    Wildschwein-Beizflüssigkeit besser wegschütten
  3. Wildschwein gründlich trocknen.
    Mariniertes Wildschwein gründlich trocknen
    Mariniertes Wildschwein gründlich trocknen
  4. Olivenöl in einem schweren Topf erhitzen und Wildschwein in drei Portionen kurz scharf anbraten. Es ist wichtig, dass das Fleisch nicht im Saft schmort sondern im heißen Öl anbrät. Fleisch dann zur Seite stellen.
    Wildschwein im Öl portionsweise kurz anbraten
    Wildschwein im Öl portionsweise kurz anbraten
  5. Zwiebeln im verbliebenen Fett und Fleischsaft bei niedrig-mittlerer Hitze mit etwas Salz langsam glasig garen.
    Zwiebeln im Fleischsaft und Fett glasig braten
    Zwiebeln im Fleischsaft und Fett glasig braten
  6. Karotten und Sellerei dazugeben und für ca. 5 Minuten mitdünsten.
    Gemüse auf niedriger-mittlerer Hitze andünsten
    Gemüse auf niedriger-mittlerer Hitze andünsten
  7. Fleisch mit den Gewürzen dazugeben und mit dem Gemüse bei mittlerer-hoher Hitze für 1,2 Minuten anbraten. Salzen, dann passierte Tomaten dazugeben und für 1,2 Miunten anbraten.
    Wildschweinstücke mit dem Gemüse anbraten
    Wildschweinstücke mit dem Gemüse anbraten
  8. 2/3 des Weins dazugeben und abgedeckt auf niedriger Stufe für mindestens 6 Stunden leise garen. Ab und zu umrühren, bei Bedarf etwas Wasser weiteren Wein zugeben. Je nach Stück zerfällt das Fleisch von selbst nach einer gewissen Zeit. Man kann etwas nachhelfen, indem man nach ca. 3 Stunden mit dem Löffel die Fleischstücke im Topf zerquetscht.
  9. Zu dem Ragu passen Orecchiette, Pasta di Gragnagno (Spaghetti), Pappardelle, Gnochi, Couscous, Spätzle. Beim Servieren großzügig mit Parmesan bestreuen.
    Orecchiette al Ragu di Cinghiale
    Orecchiette al Ragu di Cinghiale

Falls Du belastbare Erfarung in der Zubereitung von Ragu di Cinghiale hast und findest, dass meine Zubereitung verbessert werden kann, würde ich mich über einen Austausch mit dir freuen.


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