Okra auf dem Balkon selber anbauen
Okra (Ladyfinger) auf dem Balkon

Okra auf dem Balkon selber anbauen

Wer – wie ich – Okra über alles schätzt, über einen Balkon oder Garten verfügt und gerne Essbares selber kultiviert, trägt sich irgendwann vielleicht mit dem Gedanken, Okra selber anzubauen. Leider gehört Okra aber zu jenen exotischen Nutzpflanzen, die bei uns keine ideale Bedingungen haben und deswegen keine überwältigenden Erträge liefern. Dennoch ziehe ich mir jedes Jahr ein, zwei Okras und erfreue mich je nach Saison über bis zu 30 Schoten, schöne Blüten und eine dekoratives Gewächs. Worauf es im Einzelnen beim Okra-Balkon- und Gartenfarming ankommt, erfährst Du in diesem Beitrag.

Wenn Du dich für Okra interessierst, wird dir diese Okra-Zubreitung mit weißem Sesam  zusagen.


Eine Pflanze des Südens unter finanzieller Betrachtung

Finanziell lohnt Eigenanbau von Okra eher nicht, denn unser Klima macht meist einen Strich durch die Rechnung. In heißen Sommern bekomme ich die schöne Pflanze zwar auf dem Balkon ohne weiteres zur Fruchreife, das Input-Output-Verhältnis ist aber nicht günstig. Eine Pflanze liefert gerade mal eine Handvoll Okra, was die Mühe auch angesichsts des Platzverbrauchs für ein mittelgroßes Planzgefäß nicht rentieren lässt. Denn als südliche Pflanze liebt Okra Feuchtigkeit, Wärme und volle Sonne. In einem Gewächshaus sollte man bessere Resultate erzielen können als im Freiland, ich habe aber keins und deswegen keine Erfahrungen dazu.

Junge Okrapflanzen nach ca. 5 Wochen
Junge Okrapflanzen nach ca. 5 Wochen

Kälte und Nässe setzen der Okra zu

Problematisch sind bei uns die langanhaltenden Kälte- und Nässeperioden, die sich ja gerne bis spät in den Mai hineinziehen (und auch die übrigen Sommermonate zuverlässig heimsuchen) und das Wachstum der eigentlich robusten und schnell wachsenden Pflanze hemmen. Bevor der Sommer richtig anfängt, ist er schon wieder zu Ende, und unsere Okra hat zu wenig Zeit, um ausreichend Fruchtmasse aufzubauen. Anders ist das in den wärmeren Gebieten Japans, welche für Okra ideale Verhältnisse bieten. Eine Portion, wie auf dem Foto unten abgebildet, kostet in Japan auf dem Markt oder im Supermarkt deswegen umgerechnet nur zwischen 1 € und 1,50 €, je nach Saison. In Deutschland berappt man zwar das Doppelte dafür, rechnet man nebem dem Platzverbrauch Erde, Dünger und Samen mit ein, kommt der Kauf trotzdem günstiger.

Okra in einem japanischen Supermarkt
Okra in einem (nicht billigen) japanischen Supermarkt

Das Jahr 2019

Eine Ausnahme war 2019. Ein feucht-schwüler Sommer mit langen Wärmephasen bescherte mir pro Pflanze ca. 15 Schoten. Bei zwei Pflanzen reicht das dür 6 Okra-Zubreitungen – nicht schlecht.

Die Okrablüte ist schön. Sie erfreut uns nur wenige Stunden
Die Okrablüte ist schön. Sie erfreut uns nur wenige Stunden

Ich habe Verstanden: Es lohnt sich finanziell nicht. Ich will Okra aber trotzdem selber anbauen

Gute Idee. Auch ich versage es mir nicht, trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Rechnung  zu ein, zwei Okra-Pflanzen zu halten. Erstens schmecken selber gezogene Okraschoten besonders frisch und gut, zweitens erfreut uns diese Pflanze mit schönen Blüten, die leider nach wenigen Stunden abfallen.

Aufzucht und Hege ist sehr einfach

Die Samen – Dunkelkeimer – keimen in nährstoffreichem Substrat zuverlässig und das Pflänzchen wächst schnell. Kälte und Staunässe hemmen das Wachstum: Die Pflanzen auf dem Titelfoto sind nach einer gnadenlosen Regen- und Kälteorgie um die Hälfte kleiner, als sie es unter besseren Bedingungen  wären. Die Samen behalten ihre Keimkraft übrigens sehr lange. Ich habe problemlos mindestens 5 Jahre alte Samen gekeimt. Nähstoffreiche Erde mit guter Dränage ist günstig, zu vermeiden ist – insbesondere kalte – Staunässe, die schnell dazu führt, dass die Okra am Stil abfaulen. Okra kann  nicht genug Sonne und Wärme abbekommen. Erntezeit ist, wenn die Schoten etwa so lang sind wie ein lady finger, wie die Pflanze auf Englisch heißt. Man sollte nicht den Fehler begehen, zu lange mit der Ernte zu warten in der Hoffnung, mehr Fruchtmasse herauszuholen: Denn wartet man zu lange, werden Samen und Okra holzig.

Okra mit weißen, gallertartigen Punken auf der Blattunterseite
Völlig nomal: Gallertartige weiße Punkte auf der Blattunterseite. Dies sind keine Schädlinge, sondern ein Sekret, mit dem sich die Pflanze wahrscheinlich schützt.

Fazit

Angesichts des Bedarfs an Nährstoff und Erde mit der damit verbundenen benötigten Topfgröße lohnt sich der Anbau auf dem Balkon für Ästheten, Okra-Enthusiasten und Hobbygärtner mit Experimentierfreude. Die Pflanze ist sehr dekorativ. Als eine Besonderheit ist zu beachten, dass Okra an der Blattunterseite aus ihrem Saft weiße gallertartige Punkte ausbildet. Dies sind weder Insekteneier noch Anzeichen von Befall oder Krankheit sondern Zeichen einer gesunden Pflanze. Es wird angenommen, dass sich die Pflanze damit vor Schädlingen schützt.


Balkongärtner?

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